01.07.17 - Persönliche Stellungnahme / Lesekommentar
zum IDAHOBIT* Artikel / Interview im Akrützel „Wir sind hier, kommt damit klar!“

Zu meiner Person / Engagement

Mein Name ist Sven Bischoff, ich bin 33 Jahre alt und im wunderschönen Jena geboren. Ich bin seit 15 Jahren mittlerweile sehr aktiv in der Queeren Szene unterwegs. Meine erste Begegnung mit der Jenaer Szene fand vor mehr als 15 Jahren im Kassablanca Gleis 1 in der QueerLounge statt, wo ich fortan immer dienstags ab 20 Uhr Gast war. Diese Anlaufpunkt für Schwule und Lesben war/ ist für mich ein geschützter Raum wo man sich wohl fühlt. Unter anderem auch dort bekam ich in den laufenden Jahren Einblick in Szene, welche Partys, Veranstaltungen so in Jena stattfanden. Dadurch wurde ich auf den Verein Vielfalt Leben – QueerWeg Verein für Thüringen e. V. aufmerksam und besuchte dessen Veranstaltungen regelmäßig und wurde später Vereinsmitglied. Auf diesen Veranstaltungen lernte ich viel neue Menschen kenn und fühlte mich akzeptiert. Konnte erstmals meinen Standpunkt und Ideen aktiv einbringen.
Darüber hinaus wurde ich auch so aufmerksam auf das Queer-Paradies, dem Hochschulreferat, welches im Semester die Queer Beat Semester Party veranstaltet (nächste Party am 07.07.17 im Rosenkeller), welche ich besuchte und mittlerweile ein fester Bestand in der Szene ist und in meinen Terminkalender.

2009 wurde durch den Queerweg ein Volleyballtreff organisiert. Ich als Volleyballfan war darüber natürlich begeistert. Beim ersten treffen waren über 15 Leute welche dem Aufruf gefolgt sind.
Eigentlich sollte die Sportgruppe an den QueerWeg angegliedert werden, aber da es relativ viele Interessenten gab, wurde 2010 ein eigener Verein gegründet.

Für diesen war ich seit 2010 als Vorstandsmitglied und Kassenwart über 6 Jahre tätig. In dieser Zeit, knüpfte ich neue Freundschaften und konnte Projekte wie den Paradise Cup – Schwul-Lesbisches Volleyballturnier (in Zusammenarbeit mit dem IDHOBIT*/Queerweg), Kooperationen zum Weltaidstag mit der QueerLounge und die Ausrichtung des Ligaspieltages der Schwul-Lesbischen Volleyball-Liga als Hauptverantwortlicher umsetzen. Darüber hinaus nahm der Verein an verschieden Turinern andere Schwul-Lesbischer Vereinen teil und spielte zeitweise in der Schwulenliga mit, so konnten Kontakte zu dem Vereinen und anderen Organisationen Deutschlandweit geknüpft werden und man fühlte sich frei und akzeptiert.

2015 ist die QueerLounge durch Umstrukturierung zu einem gemeinnützigen Verein geworden. Im QueerLoungeJena e.V. übernahm ich die Position als Vorstandsmitglied und Kassenwart. Dadurch ich damit mittlerweile drei Verein angehöre, konnten größere Projekte wie die Veranstaltung zum Welt-Aids-Tag, der 2. Paradise Cup – Schwul-Lesbische Volleyballturnier und zuletzt im November 2016, die Queer Beat Semester Party in Kooperation mit der QueerLoungeJena im Kassablanca (ausverkauft) finanziert und durchgeführt werden.

Ohne die QueerLounge, den Queerweg, das Queer-Paradies sowie den Sportclub und den Rückhalt in der Szene, den ehrenamtlichen Helfern, wären solche Projekte nicht möglich gewesen und die Szene in Jena hätte sich nicht so entwickelt. Ich bin stolz darauf Teil dieser Entwicklung zu sein und bin froh das es in Jena mittlerweile so viele Möglichkeiten für Queere Menschen gibt sich zu engagieren und um schwul-lesbisches Leben in Thüringen mitzugestalten.
Zum IDAHOBIT*

Die Abkürzung IDAHOBIT* steht für den International Day Against Homophobia, Biphobia and Transphobia. Zunächst bezog sich der Name nur auf die Homophobie, bis 2009 die Transphobie und 2015 die Biphobie in den Namen mit aufgenommen wurden, um die spezifischen Thematiken der entsprechenden sexuellen Orientierungen mit anzuerkennen.

Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für mentale Krankheiten. Im Gegensatz dazu wird Transsexualität weiterhin als psychische Störung eingestuft. Eine Änderung ist für das Jahr 2018, die ICD-11, vorgesehen.
Seit 2001 besteht die Möglichkeit, als gleichgeschlechtliches Paar eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Diese steht der Ehe aber in der Gesetzgebung, beispielsweise den Regelungen zur Adoption, nach. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Gleichstellung der Partnerschaften.

Seit 2004 sollen daher besonders am 17. Mai Gesetzesmacher, Meinungsführer, soziale Bewegungen, die Öffentlichkeit und die Medien auf die Gewalt und Diskriminierung aufmerksam gemacht werden, die LGBTI-Menschen erfahren.

Nach wie vor stehe ich zu meiner Aussage im vorrausgegangenen Interview, „dass sich in der Szene eigentlich mehr bewegen kann – dafür muss aber mit der Zeit gegangen werden. Wenn jedes Jahr auf dieselbe Art und Weise auf denselben Tag aufmerksam gemacht wird, dann wirkt diese nach außen vielleicht schnell alltäglich oder langweilig. In der Folge wird es nicht mehr richtig wahrgenommen“.

Wie Samuel schon Im Interview gesagt hat:
„Es sollte signalisiert werden, dass dieser Tag eine Gewichtung hat und die umliegenden Gesellschaftsschichten angesprochen werden, die der Szene nicht angehören. Diesen sollte gesagt werden: Wir sind hier, kommt damit klar. Das Straßenfest dient dazu, aber auch die Veranstaltungen im Aktionszeitraum sollten inhaltlich dies wieder verstärkt tun.“
Meine Äußerung „Ein Vortrag zur Ehe-für-Alle hätte also gepasst“ stehe ich nach aktueller Kritik selbst etwas skeptisch gegenüber und ich möchte klar sagen das ich damit nicht gegen das IDAHOBIT* schießen wollte/will. Wenn jemand dies falsch verstanden aufgenommen haben sollte, möchte ich mich dafür entschuldigen!
Der Veranstalter (Queerweg) hat als Vereinsziel: Aufklärung über und Beseitigung von gruppenbezogener Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit mit besonderem Schwerpunkt auf Diskriminierung wegen sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Beziehungsformen, welche durch Stellungnahmen zu aktuellen Fragen, Aufklärungsarbeit mit Hilfe von Infoständen, öffentlichen Aktionen, Möglichkeiten zum gemeinsamen Austausch geben soll.

Die Frage „Wie ist die aktuelle Lage, was machen die Parteien derzeit?“ hätte man aufgrund das die neuen Wahlprogramme erst beschlossen wurden/werden nicht zu 100 % klären können. Man wäre somit Gefahr gelaufen veralte Informationen zu präsentieren.
Zwar war bekannt, dass es bei der SPD und FDP wieder ein Wahlkampf-Thema wird, aber wie sich die anderen Parteien dazu positionieren war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht klar.

Das dieses Thema „Ehe für alle“ ist für die Szene sehr, sehr wichtig, dies möchte ich nicht bestreiten eher befürworten, dafür Partei ergreifen, jedoch sollte man auch sensibel mit diesem Thema umgehen. Das IDAHOBIT* sowie viel anderen Veranstaltungen wie z.B. der CSD haben zu dieser Entwicklung, der Aufmerksamkeit auf dieses Thema beigetragen und waren und sind wichtig!

Auch die aktuelle Entwicklung in der sechsundzwanzigsten Kalenderwoche und die Abstimmung am Freitag, den 30.06.2017, einen „historischen Ereignis“ nach so vielen Jahren, mit dem deutlichen Ergebnis, bei einer Hohen Stimmabgabe 623 bei 630 Mitgliedern, mit 393 Ja- Stimmen ,226 Nein-Stimmen und nur 4 Enthaltungen, von allen Fraktion den des Bundestages zeigt deutlich, dass es gut gewesen wäre sich zu positionieren.

Die Szene, das IDAHOBIT* etlichen Organisationen und Projekte haben gezeigt, dass sich dieser Kampf gelohnt hat und können stolz auf ihre Leistung sein. Jedoch gibt es noch weitere Themen die behandelt werden müssen, Diskriminierungen gegen welche gekämpft werden muss! Durch dieses „historische Ereignis“ gibt es jetzt viele Felder mehr, welche in den nächsten Monaten und Jahren wichtig werden und für welche es Engagement aus der Szene braucht!

Im Organisationsteam des diesjährigen IDAHOBIT*, sowie in meiner Tätigkeit im QueerLoungeJena e.V. hätte ich mich persönlich mehr dafür einsetzen können bzw. die Thematik besser beleuchten können und trage somit selbst die Schuld mit, dass es keine Veranstaltung zum Thema „Ehe für alle“ bzw. keinen politischen Bezug beim IDAHOBIT* dieses Jahr gab.

Man sollte unsere Aussagen aus dem Interview eher als konstruktive Kritik sehen und für die Zukunft auch ein Auge darauf haben wie die Politik mit Queeren Themen umgeht bzw. wie der aktuelle Stand ist. Daher sollte auch man bedenken, dass man auch Kritik frei äußern darf, diese konstruktive Kritik haben wir nun geäußert – denn ich finde es wichtig, zu sagen was man Denkt, denn freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, da sollte man auch kritische Meinungen, unabhängig von Fördermittelgebern und deren Meinung äußern dürfen.

An dieser Stelle möchte ich meine Wertschätzung für alle Organisationen und Projekte mehr als verdeutlichen, denn das IDAHOBIT* existiert schon seit 8 Jahren in Jena, hat mit seinem abwechslungsreichen Programm und verschiedenen Veranstaltungen wie z. B. mit Filmabenden, Straßenfest, Improvisation-Theater, Tanzkursen, Coming Out Gesprächen usw. dazu beigetragen das die Thematik/Problematik nicht in Vergessenheit gerät und ich wünsche mir das es in Jena weiterhin solch eine Engagement gibt und bestehen bleibt! Ich danke und schätze jeden der uns seit Jahren unterstützt und hoffe, dass sich mehr Menschen dafür begeistern können.

Zur Queeren Szene Jena

Jena als Studentenstadt ist Fluch und Segen für die Szene zugleich. Durch die hohe Fluktuation kommen zwar immer wieder neue Menschen, welche sich dann für kurze Zeit im Queeren Jenaer Leben engagieren, was wichtig ist. Ich schätze Ihre Arbeit aber langfristig bleiben wenige nach Ihrem Studium, was die Arbeit, das Engagement in der Szene etwas beeinflusst. Seit den letzten Jahren besteht die Tendenz, dass jeder Verein sich in seiner Sparte bewegt.Als geborener Jenenser habe ich die Szene über 20 Jahre beobachtet und miterlebt und glaube daher diesen Umstand gut beurteilen zu können.

Der QueerWeg macht (Info-)Veranstaltungen bzw. Projekte, die QueerLounge bietet Abendveranstaltungen an und beteiligt sich ebenso an (Info-) Veranstaltungen und der Sportclub bedient die Sparte des Sportes. Die Aids Hilfe u. ä. Projekte bieten Beratungsmöglichkeiten. Allesamt sind dies sehr wichtige Projekte und jeder kämpft damit für die Queer Szene und gegen die Diskriminierung. Jede einzelne Veranstaltung hat Ihre Daseinsberechtigung und es ist wichtig das sie stattfinden. Jeder/Jedem Mitwirkenden zolle ich meinen tiefsten Respekt und Dank und schätze dieses Engagement.

Jedoch gibt es eine kleine Kritik: Es findet leider kaum Kooperation statt zwischen den Vereinen statt, obwohl in unseren Satzungen fast das Gleiche drinsteht und wir für dasselbe Ziel kämpfen, was ich persönliche bedauere, denn auf der anderen Seite würde ich mir es wünschen, dass die Vereine besser zusammenarbeiten, Ihre Ideen gemeinsam diskutieren, umsetzen, über Ihre Schatten springen, denn damit könnte man mit dieser gebündelte Kraft besser dazu beitragen, dass Projekte besser entstehen, Themen besser zur Geltung kommen und die Gesellschaftliche Meinung zur Queeren Szene besser akzeptiert und toleriert wird.

In der Vergangenheit gab es Kooperationen zwischen dem Queerweg und dem Sportclub Paradiesvögel e.V. sowie den Queer-Paradies (Hochschulreferat des Studierendenrates der Friedrich-Schiller-Universität Jena) und der QueerLoungeJena, welche großartige Projekte (z. B. Volleyballturnier, Welt-Aids-Tag) hervorgebracht haben, in welchen ich auch meine eigenen Ideen einbringen bzw. realisieren konnte.

Ich hoffe sehr, dass man an diese Kette anknüpfen kann und es auch weiterhin und mehr Kooperationen zwischen den Vereinen geben wird. Aus diesem Grund werde ich mich weiterhin in den unterschiedlichen Vereinen, Arbeitsgruppen engagieren, meine Ideen vortragen, über aktuellen Themen sowie Projekte diskutieren, Unterstützung anbieten und vielleicht schaffen wir dann Großes.
Was noch zu sagen bleibt

Ich möchte gern ganz deutlich betonen, dass jeder Verein mit seinen Mitgliedern, der sich in Jena für die Szene engagiert, wichtig für die Szene ist und mit seinen unterschiedlichen Veranstaltungen zur Bereicherung der Szene beträgt. Jeder Verein wird erst durch seine Mitglieder stark – alle sind immer auf der Suche nach Menschen, die sich engagieren möchten, um schwul-lesbisches Leben in Thüringen mitzugestalten. Zu den Veranstaltungen bzw. zu den Treffen der jeweiligen Vereine sind alle willkommen, die interessiert, offen und akzeptierend gegenüber queeren Menschen sind. So Keep on Fighting – Wir sind hier, kommt damit klar!